8 Dinge, auf die Sie bei der Publikation Ihrer Dissertation achten sollten

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Publikation Ihrer DissertationHäufig werden die LektorInnen in den Budrich-Verlagen mit den gleichen Fragen konfrontiert, bei den Workshops und Beratungen von budrich training stoßen unsere TrainerInnen und ich immer wieder auf die gleichen Missverständnisse. Deshalb habe ich hier die acht Dinge zusammengestellt, auf die Sie bei der Publikation Ihrer Dissertation unbedingt achten sollten! Umfassendere Informationen zum wissenschaftlichen Publizieren finden Sie in meinem Buch „Erfolgreich Publizieren“.

Über weitere Fragen und Anmerkungen freue ich mich!

1. Möchte ich in der Wissenschaft bleiben?

Wenn Sie diese Frage mit Nein beantworten, dann können Sie Ihre Dissertation so veröffentlichen, wie Sie mögen: im Selbstverlag, als eBook, als Copyshop-Bindung, in einem Diss-Verlag – es bleibt ganz und gar Ihnen überlassen.

Wenn Sie diese Frage bejahen, dann ist es für Ihre Wissenschaftskarriere das Beste, Sie suchen sich einen wissenschaftlichen Fachverlag, um Ihre Doktorarbeit zu veröffentlichen!

2. Woran erkenne ich einen wissenschaftlichen Fachverlag?

Wenn Sie in Ihre Suchmaschine „Dissertation veröffentlichen“ eingeben und Ihnen -zig Angebote entgegenspringen, die alle um die Wette schreien – dann sehen Sie sich Diss-Verlagen gegenüber. Ein solcher Verlag ist per se nicht gut oder schlecht – er gibt Ihnen bloß nicht das, was Sie sich von einer Verlagspublikation am meisten versprechen: wissenschaftliche Reputation!

Während der Diss-Verlag auf Ihre Anfrage hin sofort auf die Finanzierung zu sprechen kommt oder Ihnen ohne Kenntnis der Arbeit sofort ein Publikationsangebot zukommen lässt, prüft ein wissenschaftlicher Fachverlag zunächst, ob Ihre Arbeit in das Verlagsprogramm passt.

3. Worin unterscheiden sich der Diss-Verlag und der wissenschaftliche Fachverlag?

1. Am Programmprofil: Ein Diss-Verlag hat eine große Vielzahl an Publikationen aus den unterschiedlichsten Bereichen; Lehr- und Studienbücher sind in der Regel deutlich in der Unterzahl. Das Programm zeigt eine große, eher beliebig wirkende Breite. Ein wissenschaftlicher Fachverlag hat klar erkennbare Programmstrukturen und unterschiedliche Buchtypen zu ein und derselben Thematik (also z.B. auch Lehr- und Studienbücher, Forschungsberichte, Handbücher und Neuauflagen). Das Programm weist Breite und Tiefe auf.

2. An der Lektoratsarbeit: Ein Diss-Verlag veröffentlicht in der Regel quasi ohne Prüfung alles, was angeboten wird. Ein wissenschaftlicher Fachverlag hat ein Programmprofil und überprüft zunächst, ob Ihre Arbeit dort hineinpasst. Bei guten Fachverlagen erhalten Sie zumindest ein Kurzgutachten aus dem Lektorat mit Überarbeitungshinweisen (hierbei immer die eigene Promotionsordnung im Blick behalten: Wie viel Veränderung ist zur Publikation Ihrer Doktorarbeit erlaubt. Im Zweifel beim Prüfungsamt nachfragen!).

3. Im Bereich Pressearbeit und Marketing: Ich bin mir bewusst, dass es Verlage gibt, die behaupten, aus jeder Dissertation einen Bestseller machen zu können. Das ist m.E. eine Lüge. Es gibt „relative Bestseller“ – also eine Dissertation kann sich sehr gut „schlagen“. Generell finden Dissertationen keinen reißenden Absatz, weshalb in der Regel ein Druckkostenzuschuss benötigt wird, um die Veröffentlichung überhaupt zu ermöglichen. Dennoch ist es auch für Doktorarbeiten sinnvoll, Pressearbeit zu betreiben: Alle einschlägigen Fachmedien sollten über die Publikation informiert werden. Es gibt noch eine Reihe weiterer Presse- und Marketingaktivitäten, die Verlag und AutorIn gemeinsam betreiben sollten. Ganz generell sind Diss-Verlage in diesem Bereich träge bis überhaupt nicht tätig, wohingegen wissenschaftliche Fachverlage aktiv sind.

4. In der Vertriebsarbeit: Viele Diss-Verlage arbeiten nicht einmal mit dem Buchhandel zusammen bzw. gewähren dem Buchhandel nicht die branchenüblichen Rabatte von mindestens 25% im Bereich des gedruckten Buches. Wissenschaftliche Fachverlage arbeiten systematisch vor allem mit dem akademischen Buchhandel zusammen – obschon dieser in den vergangenen 10 bis 15 Jahren zahlenmäßig stark zurückgegangen ist.

4. „Ich habe gehört, dass die Publikation einer Dissertation im wissenschaftlichen Fachverlag sehr teuer ist, stimmt das?“

In den seltensten Fällen kann der Druckkostenzuschuss entfallen, nämlich nur dann, wenn die Produktionskosten auf anderen Wegen eingespielt werden können. Das ist bei seriös arbeitenden Verlagen im Grunde nur dann der Fall, wenn das Buch sich in ausreichenden Mengen verkauft. Das dürfte ab rund 300 bis 500 verkauften Exemplaren der Fall sein – abhängig von Ausstattung und Umfang des Buches (Kostenseite) zum Ladenpreis (Erlösseite) (das ist eine ganz grobe Kalkulation, die sich in unterschiedlichen Häusern abhängig von den Betriebs- und Werbekosten unterschiedlich darstellt). In den Sozial- und Erziehungswissenschaften verkaufen sich Dissertationen allerdings nicht mehr in dieser Größenordnung sondern deutlich darunter.

Die Publikation der Dissertation in einem wissenschaftlichen Fachverlag ist nicht die preiswerteste Lösung! Es ist der Weg, der Ihnen die größte wissenschaftliche Reputation einbringt!

5. „Ich habe gehört, dass die Publikation im wissenschaftlichen Fachverlag ewig dauert, stimmt das?“

Es gibt eine Reihe von verlagsabhängigen Faktoren, von denen es abhängt, wie lange die Veröffentlichung Ihrer Dissertation braucht. Ich kann Ihnen aus der Praxis der Budrich-Verlage berichten, dass wir ab Eingang der fertig formatierten und mit uns abgestimmten Druckvorlage bis zum Versand der gedruckten Bücher in der Regel vier Wochen benötigen!

Selbstverständlich liegt jedoch zwischen der ersten Publikationsanfrage und der fertigen Druckvorlage ein Zeitraum, der in erster Linie jedoch von Ihnen abhängt. Unsere Zeitschiene sieht in der Regel so aus, wie in Abbildung 1 dargestellt. Daraus wird deutlich, dass an einigen Stellen, die AutorInnen Überarbeitungs- bzw. Formatierungsaufwand haben, über dessen zeitliche Dimension wir wenig sagen können. Selbstverständlich bieten wir auf Wunsch sowohl auf der Lektorats- als auch auf der Formatierungsseite weitere Dienstleistungen an.

Abb. 1: Zeitschiene zur Veröffentlichung der Dissertation bei Budrich UniPress

6. Manche Diss-Verlage bieten eine pauschale Vergütung von über 200 Euro an – ist das seriös?

Diese pauschale Vergütung geht zumeist auf die Ausschüttung der VG Wort zurück, kommt also nicht von irgendeinem Verlag. Für Deutschland gilt: Alle AutorInnen, ÜbersetzerInnen, HerausgeberInnen aus dem Wissenschaftsbereich sollten mit der VG Wort einen Wahrnehmungsvertrag abschließen! In der Regel haben Sie bis zum 31.1. des jeweiligen Folgejahres nach der Publikation Zeit, der VG Wort (am besten online) Ihre Publikationen zu melden. Mein Tipp wäre, jetzt sofort den Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort abzuschließen und die einzelne Publikation zu melden, sobald sie erschienen ist: So bekommen Sie jetzt sofort einen Eindruck von der VG Wort und vergessen nicht, Ihre Veröffentlichungen zu melden. Mit wenigen Einschränkungen können Sie jede Ihrer wissenschaftlichen Publikationen melden – die VG Wort meldet sich bei Ihnen, falls irgendetwas nicht akzeptiert wird – und zur Jahresmitte des Folgejahres erhalten Sie Ihren VG-Wort-Anteil augeschüttet.

Sie haben die Möglichkeit, Ihrem Verlag den „früheren VG-Wort-Verlagsanteil“ zuzugestehen: Beim Melden der erschienenen Publikationen können Sie dies im Formular entsprechend verfügen.

Die Schweizerische Verwertungsgesellschaft heißt ProLitteris, in Österreich ist es die Literar mechana. Bitte beachten Sie die dort möglicherweise abweichenden Regelungen und Fristen.

7. Kann ich mit Honorar für meine Dissertation rechnen?

Einige wissenschaftliche Fachverlage bieten Ihnen ein Erfolgshonorar an, das Sie anteilig an den verkauften Exemplaren beteiligt. Auch wenn es ein schönes Gefühl ist, AutorInnenhonorar ausgezahlt zu bekommen, können Sie selbst als gestandener Wissenschaftsautor bzw. -autorin nicht damit rechnen, durch derartige Honorare reich zu werden. Die eigentliche Währung, auf die Sie in Bereich dieser Art von Publikationen schauen sollten, ist die wissenschaftliche Anerkennung, Ihre Reputation! (Wenn Sie selbst tiefer in den Wissenschaftsbetrieb eingestiegen sind, gilt ein weiteres Interesse zum Beispiel der möglichst guten Rezeption Ihrer Ergebnisse oder der möglichst weiten Verbreitung Ihrer Lehrmethoden.)

8. Mit wie vielen Freiexemplaren kann ich rechnen? Gibt es da Standards?

Sie brauchen von Ihrer Dissertation Exemplare, die Sie für Ihre weiteren Bewerbungen im Wissenschaftsbetrieb einsetzen müssen, einige Dedikationsexemplare, die Sie an Ihre MentorInnen verschenken möchten, und natürlich Exemplare für Ihren eigenen Bücherschrank. Darüber hinaus benötigen Sie die so genannten Dissertationspflichtexemplare für Ihr Dekanat. Wie viele Exemplare das in Ihrem Falle genau sind, können Sie in Ihrer Prüfungsordnung nachlesen, bzw. im Dekanat erfragen.

Der Standard der Budrich-Verlage liegt bei zehn Freiexemplaren für Sie als Autorin, als Autor – zusätzlich zu der erforderlichen Anzahl an Dissertationspflichtexemplaren.

Haben Sie weitere Fragen?

Diskutieren Sie hier mit, kontaktieren Sie die LektorInnen der Budrich-Verlage oder vereinbaren Sie direkt einen Beratungstermin mit dem Team von budrich training.

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