Ein Buch herausgeben: Hrsg. als Herausforderung

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Worauf Sie achten müssen, wenn Sie ein Buch herausgeben

„Wer ein Buch herausgibt, muss bereit sein, Freunde zu verlieren.“ – Barbara Budrich

Ein Buch herausgebenNatürlich ist dieses Zitat überzogen – und doch enthält es ein Körnchen Wahrheit. Wenn Sie ein Buch herausgeben, laufen Sie mit einem Konzept, mit Vereinbarungen und Verabredungen zu Inhalt, Ausrichtung, Umfang, formaler Vereinheitlichungen und Zeitplan hinter Ihren Autorinnen und Autoren her. Und die, so scheint’s, haben immer etwas Besseres zu tun. Die Pünktlichen werden bestraft, denn sie dürfen am Schluss noch einmal überarbeiten, weil der letzte Beitrag des wichtigsten Menschen satte sechs Monate nach der vereinbarten Deadline eintrudelte. Leider passt er nicht so richtig ins Gesamtkonzept, sodass Sie Ihre Einleitung umschreiben und das Ganze umstrukturieren müssen. Und die Literaturverzeichnisse enthalten nur zum Teil die geforderten Verlage. Einige Beiträge zitieren gar nicht amerikanisch, wie vorgegeben, sondern in den Fußnoten. Und so weiter.

Wie lässt sich möglichst viel von diesem Chaos bereits im Vorfeld verhindern? In dem Sie sich klar werden darüber, was Ihre Aufgaben sind und wie Sie sie bewältigen können.

Was ist die Aufgabe von HerausgeberInnen?

Lassen Sie uns an der anderen Seite anfangen: Was ist das Idealprodukt, das am Ende herauskommen möge? Wenn ich den Tagungsband als Reproduktion einer Veranstaltung beiseitelasse und auch die „reine“ Festschrift als Sonderfall ignoriere, dann ist der Idealtypus der Publikation die Monografie: Eine von vorn bis hinten durchkomponierte Veröffentlichung, bei der jedes Kapitel – je nach Buch inhaltlich, methodisch, chronologisch, argumentativ – auf dem anderen aufbaut.

Wenn Sie diesen Idealtypus für einen Sammelband vor Augen haben, wird klar, dass es schwierig ist: Jeder Autor, jede Autorin hat eine je eigene Herangehensweise, einen spezifischen Fokus, einen eigenen Sprachstil. Wie sollten Sie all das in eine homogene Form bekommen?

Perfekt gar nicht. Klar. Aber annähernd.

Die Aufgabe von HerausgeberInnen ist es dennoch, den AutorInnen Vorgaben zu machen, um am Ende eine möglichst homogene Publikation vorlegen zu können. Nicht das, was in früheren Zeiten noch als „Buchbinder-Synthese“ belächelt wurde – ein Buch, das nur durch Faden und Umschlag zusammengehalten wurde, ansonsten eine heterogene Zusammenschau unterschiedlichster Spezies ist.

„Aus jedem Dorf ‘ne Kuh!“, heißt das bei uns gern salopp.

Wichtig ist vor allem, sich selbst Klarheit über die Zielgruppe des Buches zu verschaffen. Daraus ergibt sich viel Wichtiges, was den AutorInnen in die Vorgaben geschrieben werden sollte:

  • die wissenschaftliche „Einstiegshöhe“,
  • der Anspruch an den Stil,
  • die Notwendigkeiten von Redundanzen, Schaubildern, die Zahl und Dichte der Quellenangaben und Fußnoten.

Darauf aufbauend können Sie für Ihre Autorinnen und Autoren die entsprechenden Vorgaben formulieren. Deren Einhaltung müssen Sie „gnadenlos“ einfordern.

Vorgaben und deren Einhaltung

Zeit

Es ist sehr wichtig, dass Sie zu Ihrer eigenen Entlastung ausreichende Puffer einplanen und die Notwendigkeit von Überarbeitungsschleifen in Ihre Zeitplanung integrieren.

Sollte zusätzlich zu Ihrer herausgebenden Arbeit noch ein Peer Review geplant sein – blind oder nicht –, sollten Sie auch hierfür ausreichend Zeit einplanen. Sie müssen damit rechnen, dass mindestens einer von zwei Reviewern sich nicht an die verabredete Zeit hält. Und oft genug fällt der, der immer wieder um Aufschub gebeten hat, am Ende ganz aus.

Je mehr Menschen am Buchprojekt beteiligt sind, desto länger dauert das Ganze ohnehin.

Von Verlagsseite planen wir von der Abgabe des fertigen (!) Manuskripts, das bei uns zumindest ein kleines Lektoratsgutachten durchläuft, bis zum Erscheinen des Buches mindestens sechs Monate ein. Insgesamt rate ich von ein bis anderthalb Jahren von der Konzeption bis zum Erscheinen auszugehen – jedenfalls, wenn es sich um ein überschaubares Thema mit nicht mehr als sechs AutorInnen handelt. Bei größeren Projekten – zum Beispiel bei Handbüchern – gehen wir von mindestens zwei Jahren Entstehungszeit aus. Und nicht selten stellt sich heraus, dass wir noch ein weiteres Jahr einplanen dürfen.

Wichtig für Ihre Planung: Setzen Sie Ihren AutorInnen exakte Abgabefristen. Geben Sie realistische Zeiten vor: Ein Zuviel kann genauso schädlich sein (weil das Projekt auf der To-Do-Liste weit nach hinten rutscht), wie ein Zuwenig (weil qualitativ hochwertige Arbeit nicht zu schaffen ist). Erkundigen Sie sich kurz vor Verstreichen der Frist, wie es steht. Setzen Sie – kurze! – Nachfristen und seien Sie bereit, bei Nichtabgabe die Säumigen aus dem Projekt auszuschließen.

Umfang

Sie sollten niemanden zum Schreiben einladen, ohne konkrete Vorgaben zum Umfang zu machen. Die Umfangsvorgaben werden international in der Regel in der Anzahl der Worte pro Druckseite gemacht. Auf unsere Standard-A5-Seiten passen rund 400 Worte. Umfangsvorgaben in Zeichen (inklusive Leerzeichen – die benötigen schließlich auch Platz!) sind ebenfalls häufig. Hier füllen rund 2.700 Zeichen eine A5-Seite.

Weisen Sie Ihre AutorInnen darauf hin, dass Abbildungen und Tabellen den Raum für den Text entsprechend verringern.

Und stellen Sie sicher, dass Sie auf Ihren Umfangsvorgaben bestehen. Sonst kommen Sie in die Situation, dass Sie die Disziplinierten bestrafen – und die, die sich nicht an die Verabredungen halten, ggf. noch dadurch belohnen, dass Sie ihnen mehr Platz einräumen als ursprünglich vorgesehen. Seien Sie also darauf vorbereitet, dass Sie Ihren AutorInnen auferlegen müssen, gegebenenfalls zu kürzen. Für den Text ist das häufig ein Gewinn – für den Autor, die Autorin eine Qual.

Zuschnitt – Thema und Stil

Um Ihren AutorInnen eine möglichst stimmige Ausrichtung des Beitrags zu ermöglichen, ist es wichtig, hier von vornherein gut achtzugeben. Schreiben Sie eine Konzeption, erläutern Sie die Zielgruppe und geben Sie jeder und jedem der Beitragenden ein vollständiges Inhaltsverzeichnis zum Abgleichen – auch mit Blick auf Stil, Verweise, Redundanzen und mögliche Dopplungen.

Lassen Sie sich Abstracts zuschicken oder erste Entwürfe, um die AutorInnen nicht mit ihren jeweiligen Ideen und Themen alleine losgaloppieren zu lassen. Richtiger Luxus wäre ein Treffen aller Beteiligten – oder sogar zwei Treffen –, um sich miteinander abzustimmen.

Wichtig: Was nicht reinpasst, fliegt raus! (Da ist es wieder, das Freunde Verlieren …)

Formalia

Die Formalitäten können einen zum Wahnsinn treiben. Egal, wie detailliert Sie die Gestalt der Literaturverzeichnisse vorgeben, ob Sie eine Vorlage für Citavi (da gibt es übrigens eine nach Budrich-Standards) anlegen oder nur knapp um amerikanische Zitation bitten – Sie werden hinterher ein Sammelsurium unterschiedlicher Stile erhalten.

Glücklich, wer wissenschaftliche Hilfskräfte hat, die dieses Klein-Klein bearbeiten können. Ich würde nicht mehr als eine Runde „Kampf“ mit den AutorInnen an dieser Stelle einlegen. Die letzten Punkte können Sie selbst machen: Das geht häufig schneller.

Doch auch das Vereinheitlichen von Schreibweisen, von Überschriftenhierarchien – dezimal, römisch, alphanumerisch oder ohne – Interpunktion und Orthografie… Es ist und bleibt einfach viel Arbeit.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass es für die LeserInnen letztlich unangenehm ist, wenn die einzelnen Beiträge in diesen formalen Punkten unterschiedlich sind und ich dafür sorgen würde, die Dinge so homogen wie möglich zu halten – ich würde hier am ehesten mal das ein oder andere Auge vorsichtig zudrücken. Aber nur vorsichtig.

Und natürlich: Was wissenschaftlich nicht sorgfältig gearbeitet ist, fliegt raus.

Die Kommunikation mit dem Verlag

Der Sammelband soll im Verlag erscheinen: Wann ist da die Kontaktaufnahme sinnvoll, welche Informationen benötigt der Verlag, welche Arbeiten übernimmt der Verlag?

Wir benötigen zur Grundsatzentscheidung über die Aufnahme eines Sammelbands in unser Verlagsprogramm eine Gliederung – gern mit AutorInnennamen, sofern bereits vorhanden – und eine kurze Programmatik. Insofern unterscheidet sich dies noch nicht von der Monografie.

Sollten wir uns jedoch noch gar nicht kennen, dann bestehen wir auf weiterführenden Informationen: Wer sind die Beitragenden, wie stellen Sie als HerausgeberIn die Qualitätskontrolle sicher. Sie sind dann dem Verlag gegenüber verantwortlich mit Blick auf Umfang, Qualität, Kohärenz und Zeitschiene.

Bei einem Lehrbuch übernehmen wir intensivere Lektoratsaufgaben. Bei anderen Sammelbänden erstellen wir Kurzgutachten, die jeden Beitrag würdigen und Hinweise zur besseren Lesbarkeit und ggf. auf formale Schwächen geben.

Da die AutorInnen in der Regel unter Vertrag genommen werden und Freiexemplare erhalten, benötigen wir eine Adressliste inklusive eMail-Adressen sowie eine Zuordnung von AutorInnen zu den jeweiligen Beiträgen.

In allen Belangen wird der Verlag mit den HerausgeberInnen kommunizieren und nur in Einzelfällen direkt mit den einzelnen AutorInnen. Die HerausgeberInnen übernehmen also die Kommunikationsschnittstelle zwischen AutorInnen und Verlag.

Marketing

Wir haben häufig beobachtet, dass einzelne BeiträgerInnen sich mit dem Buch als Ganzes nicht so intensiv identifizieren wie die HerausgeberInnen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass die HerausgeberInnen mit den AutorInnen über deren Marketingkontakte – mögliche RezensentInnen, ggf. MultiplikatorInnen usw. – abstimmen und wiederum die Kommunikation mit uns übernehmen. Sollten allerdings echte Marketing-Asse unter den AutorInnen sein, dann können wir uns als Verlag auch direkt mit ihnen abstimmen. Auch, nicht ausschließlich.

Open Access-Strategien und Sonderdrucke

Nicht selten möchten AutorInnen ihren jeweiligen Beitrag so nutzen, dass es sich anbietet, ihn in den Open Access zu stellen. Dafür gibt es bei uns unterschiedliche Möglichkeiten – zum Beispiel Open Express als sofortiges Freischalten mit Erscheinen oder Grüner Open Access für ein zeitlich versetztes Freischalten. Wir machen Ihnen und den AutorInnen gern ein entsprechendes Angebot.

Sonderdrucke erfreuen sich wieder wachsender Beliebtheit. Statt digitaler Auszüge, schlichter Kopien oder Ausdrucke von einer PDF-Datei bieten wir den AutorInnen den jeweils eigenen Beitrag mit oder ohne Umschlag mit Klammerheftung. Auch hier machen wir Ihnen gern ein Angebot.

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Unsere Style Sheets senden wir Ihnen gern auf Anfrage kostenlos zu.

Wenn Sie Beratung wünschen, setzen Sie sich einfach mit uns in Verbindung.

 

 

 

 

September 26, 2017

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