Entschädigungslose Enteignung von Verlagen

Facebooktwittergoogle_plusmail

Entschädigungslose Enteignung von VerlagenDie Sache mit dem Referentenentwurf zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes ist kompliziert. Der Tagesspiegel bemüht sich am 19.3.2017 um einen sachlichen Ton in einer aufgeheizten Debatte und versucht, die Angelegenheit möglichst ausgewogen darzustellen. So kenne ich die KollegInnen, den Tagesspiegel lese ich i.d.R. gern.

Leider liegen dort offenbar nicht alle Informationen vor. Denn der Beitrag liest sich so, als gäbe es im Rahmen der aktuellen Gesetzgebung 1. keine funktionierenden digitalen Verlagsangebote (was eindeutig nicht stimmt). Und als würden 2. Verlage doch reichlich pauschal vergütet, ja, man könne die Pauschale doch sogar noch erhöhen!

Um es an dieser Stelle noch einmal und ganz deutlich zu sagen:

Verlage werden nach aktueller Rechtsprechung und Gesetzeslage bei pauschalen Abrechnungsmodellen über die VG Wort NICHT ENTSCHÄDIGT!

Selbst hochrangige Funktionäre im Wissenschaftssystem, intelligente Menschen, mit denen ich sehr, sehr gern zusammenarbeite, scheinen dieses „Detail“ vollständig aus dem Blick zu verlieren. Die Argumentation geht – sinngemäß auch im Referentententwurf – folgendermaßen:

  1. Semesterapparate müssen pauschal vergütet werden (alles andere sei eine Zumutung; wir sprechen hier von 3,8 Minuten pro Eintrag),
  2. die Abrechnung erfolgt daher pauschal – über die VG Wort…

Und dann frage ich mich: Hat keiner mitbekommen, dass die VG Wort nicht mehr an Verlage ausschütten darf? Denn daraus folgt

  • … die Verlage gehen leer aus!

Ich sehe im Falle der Umsetzung des Referentenentwurfs in der aktuellen Situation eine entschädigungslose Enteignung von Verlagen bei einer gleichzeitigen Schädigung des sogenannten Primärmarktes: Denn weder Lehrende noch Studierende noch Bibliotheken werden dadurch motiviert, unsere Publikationen zu kaufen. Und es ist nach wie vor der Verkauf unserer Publikationen, von dem wir leben.

Inwieweit ist die Sorge der Verlage, benachteiligt zu werden, unverständlich?

 

April 4, 2017

Schlagwörter: , ,
  • Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

    *