Fremder Nachbar? – Henrik Uterwedde „erklärt“ Frankreich

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Henrik UterweddeHenrik Uterwedde, Autor unserer Buches Frankreich – eine Länderkunde, im Gespräch mit Barbara Budrich.

Barbara Budrich: Herr Uterwedde, was hat Sie dazu bewogen, dieses Buch über Frankreich zu schreiben?

Henrik Uterwedde: Mein gesamtes Berufsleben am Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg ist von Frankreich und den deutsch-französischen Beziehungen in Europa bestimmt gewesen. Jetzt, im Ruhestand, habe ich endlich den nötigen Abstand vom Tagesgeschäft gefunden, um meine  vielfältigen Erfahrungen und Erkenntnisse zu verarbeiten. In zahllosen Vorträgen und Diskussionen habe ich erfahren, dass der Bedarf nach einer breit angelegten, systematischen und dabei gut lesbaren  Länderkunde sehr groß ist. Denn fachwissenschaftliche Abhandlungen sind oft zu spezialisiert und wenig  „verdaulich“, während auch gute journalistische Darstellungen oft in der Tagesaktualität hängenbleiben. Ich will dagegen einen Überblick bieten, der die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Bereichen (Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung usw.) aufzeigt, der notwendiges Faktenwissen bringt, ohne darin zu ertrinken, und der dem Leser, der Leserin einen Schlüssel zum Verständnis des Nachbarn Frankreich liefert. Ob dies gelungen ist, mögen die Leserinnen und Leser entscheiden!

BB: Knüpft das Buch an aktuelle Geschehnisse in Frankreich an?

HU: Macrons Wahl war ja eine Überraschung, aber kein Zufall. Zu lange hatte das Land seine grundlegenden Probleme verdrängt, anstatt sie wirklich zu lösen; Regierungen und Parteien lösten sich ab, ohne wirklich etwas zu verändern. Das hatte im Land Pessimismus und Politikverdrossenheit ausgelöst, und in Deutschland wurde Frankreich ziemlich schlecht geredet und geschrieben. Man sah nicht mehr die Vorteile und großen Potenziale unseres Nachbarlandes. Das hat mich oft geärgert. Ich habe deshalb versucht, ein ausgewogeneres Bild der Strukturen und Entwicklungen in Frankreich, der strukturellen  Probleme, aber auch der Stärken zu zeichnen. Im Buch finden Sie alle großen Problemfelder beschrieben, die Macron jetzt durch Reformen anpacken will.

BB: Was erfahre ich als Leserin, wenn ich das Buch lese?

Das Buch gibt den LeserInnen einen Schlüssel zum besseren Verständnis unsers Nachbarlandes Frankreich: Wie es „tickt“, wo und warum es anders funktioniert als Deutschland. Dabei tun sich immer wieder Parallelen und Vergleiche mit Deutschland auf. Die Beschäftigung mit unserem – so nahen und doch manchmal so fremden – Nachbarn bietet denn auch neue Einsichten über unser eigenes Land.

BB: Vielen Dank für das Gespräch!

Der Autor: Prof. Dr. Henrik Uterwedde, zuvor stellvertretender Direktor am Deutsch-Französischen Institut (dfi); bis 2013 Universitäten Stuttgart und Osnabrück, assoziierter Wissenschaftler am dfi, Ludwigsburg. 2016 ausgezeichnet mit dem nationale Verdienstorden (Ordre national du mérite) der Französischen Republik.

 

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