Hörbuch: Wer vom Lesen genug hat …

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Hörbücher werden immer beliebter – sind sie auch ein guter Weg für die Wissenschaft?

HörbuchBislang haben wir noch keine eigenen Hörbücher produziert. Anspruchsvolle Inhalte, komplexe Fragestellungen, Fußnoten, Verweise, Quellenangaben, verschiedenste Grafiken und Tabellen: Nicht jedes Buch eignet sich dazu, zu einem Hörbuch zu werden. Um ein umfangreiches und komplexes wissenschaftliches Werk als Hörbuch zu veröffentlichen, muss das Manuskript entsprechend überarbeitet werden. Doch der Erfolg von Forschungswerken dürfte im Hörbuchbereich eher zurückhaltend einzuschätzen sein.

Anders verhält es sich mit Lehrbüchern. Vor allem Lehrbücher, die weniger voraussetzungreich sind, könnten gut als Hörbücher funktionieren: Bei einer nicht allzu hohen Einstiegshöhe mit Texten, die sauber einen Gedanken nach dem anderen vermitteln, könnte es gehen.

Hörbuch: Wer nicht lesen kann, muss hören?!

Aus meiner Sicht sind Lesen und Hören für das Aneignen von Stoff sehr unterschiedlich zu bewerten: Beim Lesen ist es jederzeit möglich, einen Satz erneut zu lesen – und vielleicht sogar noch einmal und gezielt durch den Text zu navigieren. Das macht es möglich, auch komplexere Sätze und Formulierungen zu verwenden. Was es einerseits leichter macht „verklausuliert“ zu schreiben, andererseits aber das Präsentieren komplexer Zusammenhänge ermöglicht.

Beim Hören ist dies anders. Um beim Hören gut verstehen, vor allem gut lernen zu können, braucht es weit mehr Redundanz. Kürzere Sätze, einfachere Diktion, weniger unterschiedliche Gedanken und Argumente, dafür mehr Wiederholung. Man tut gut daran, Kurt Tucholskys Rat an den Redner zu befolgen: „Hauptsätze! Hauptsätze! Hauptsätze!“

Natürlich wird bei vielen Vorträgen, – schon gar bei wissenschaftlichen Vorträgen und erst recht bei deutschen wissenschaftlichen Vorträgen deutlich, dass Kurt Tucholsky mit seinem Rat nicht durchgedrungen ist. Doch um ein wissenschaftliches Hörbuch herauszubringen, das seinen Hörerinnen und Hörern Genuss bereiten und Wissen vermitteln soll – dafür braucht es besondere Sorgfalt.

Professionell ist teuer

Im Verlag Barbara Budrich haben wir die ein oder andere Publikation, die nicht ganz streng wissenschaftlich ist. Die ein oder andere Biografie – zum Beispiel die von Michael Lapsley oder die auch von Hermine Heusler-Edenhuizen – hat uns über Hörbücher nachdenken lassen. Doch die professionelle Produktion – Sprecherin bzw. Sprecher, Studio, Nachbearbeitung etc. – ist aufwendig und damit teuer. Deshalb sind wir bislang immer zurückgezuckt: Die Projekte waren wirtschaftlich nicht darstellbar.

Dennoch bleibt die Idee, das ein oder andere Hörbuch aus der ein oder anderen Publikation zu generieren. Vielleicht durch das direkte Einbinden der jeweiligen Autorinnen und Autoren. Auf der Webseite „Die Selfpublisher-Bibel“ gibt es einen interessanten Beitrag dazu.

 

 

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