Open Access – verbreitete Fehleinschätzungen

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Im Open Access zu veröffentlichen wird für mehr und mehr WissenschaftlerInnen zur Pflicht. Dabei gibt es Einiges zu beachten, damit das Publizierte von einer angemessenen Öffentlichkeit rezipiert wird.

 1. „Open Access – da bekommt mein Text unendlich viele Zugriffe!“

In allen Gesprächen mit WissenschaftlerInnen wird deutlich: Nicht das Auffinden von Information per se ist heute die Herausforderung. Das Internet in seinen unendlichen Weiten mit seiner unendlichen Beliebigkeit hilft wenig dabei, die vorhandenen Informationen auf wissenschaftliche Eignung hin zu selektieren. So nutzt es wenig, das eigene Werk einfach online zu stellen und darauf zu vertrauen, dass es schon gefunden wird. Die Unendlichkeit der möglichen Zugriffe wird durch die unendliche Beliebigkeit des Internet konterkariert.

Wichtig ist also nicht allein das Publizieren im Open Access, sondern das Publizieren in einem „geschützten“ Umfeld, das sich durch geprüfte Qualität auszeichnet.

2. „Open Access: Endlich kann ich alles veröffentlichen und keiner quatscht mir rein!“

In Diskussionen in Sachbuchforen ist nachzulesen, dass die AutorInnen sich über die Möglichkeiten des Self-Publishing vor allem im Open Access freuen. Nicht selten freuen sich auch junge WissenschaftlerInnen über diese Möglichkeiten.

Allerdings birgt dies eine Gefahr: Wenn keinerlei Qualitätskontrolle erfolgt, ist es möglich, dass unerfahrene AutorInnen ihrem Ruf eher schaden als nutzen, wenn sie Dinge online stellen. Zwar ist die Chance eher gering, dass seriöse Forschung auf Open Access-Beiträge von „irgendwelchen“ Webseiten zurückgreift. Andererseits sind Dinge, die einmal im Internet sind, nicht mehr aufzuhalten. Sollte die Versuchung groß sein, einen Beitrag aus jungen Wissenschaftsjahren in den Open Access zu stellen: Ich würde eher raten, darauf zu verzichten. Es hilft nicht als Eintrag auf der eigenen Literaturliste und könnte in reiferen Jahren tatsächlich eher peinlich anmuten …

 3. „Open Access – da kann der Verlag eh nix tun!“

Das Bild verändert sich langsam, doch noch gibt es vielfach den Glauben, dass Verlage und Open Access sich gegenseitig ausschließen. Der Verlag könne bei einem in den Open Access gestellten Werk ohnehin nichts tun.

Das stimmt so nicht. Verlage kümmern sich traditionell um die Verbreitung wissenschaftlichen Wissens. In welcher Form dieses Wissen dann zugänglich gemacht wird, ist dabei sekundär. In Abgrenzung zum großen Angebot an Informationen ohne Gütesiegel im Internet, die passiv auf Aufmerksamkeit warten, kann ein Verlag zwei Rollen übernehmen: Zum einen die Rolle des „Gatekeeper“, der Qualitätskontrolle betreibt. Zum anderen die Rolle des „Marktschreiers“, der einschlägig interessierte WissenschaftlerInnen auf die jeweilige Publikation aufmerksam macht.

 4. „Wenn ich im Open Access publiziere, dann gibt es kein Buch, keine ISBN.“

Ein gut durchgearbeitetes Werk kann durchaus auch als Zeitschriftenbeitrag oder Buch publiziert werden – bevor es in den Open Access geht oder auch zeitgleich. Für die wissenschaftliche Zitierfähigkeit ist ein DOI – Digital Object Identifier – von Vorteil; als eBook ist zusätzlich eine ISBN vorteilhaft, um in einschlägigen Datenbanken gelistet zu werden.

Open Access mit einer Print-on-Demand-Funktion zu verknüpfen, ist bei mehr und mehr Verlagen gängige Praxis.

5. „Open Access – da ist es doch egal, wie’s ausschaut!“

Um den Standards zu entsprechen, ist Zitierfähigkeit – mit Seitenzahlen und DOI – eine gute Basis. Zudem ist aber eine Formatierung angeraten, die den LeserInnen hilft, die Struktur des Textes leicht nachvollziehen zu können. Das spiegelt sich in Grundlagen wie korrekt nummerierten Überschriften in der richtigen Hierarchie wieder, aber auch in einer gleichförmigen Gestaltung von Absätzen, lesbaren Schriften, sauber formatierten Aufzählungen und Zitaten.

Es lohnt sich für jede Publikation, diese Dinge sorgfältig anzugehen.

6. „Open Access – da brauche ich keine Beratung!“

Open Access – so viel ist bislang hoffentlich deutlich geworden – hat viele Facetten. Und ob das eigene Werk einfach auf der eigenen Webseite veröffentlicht wird, in einem anerkannten und qualitätskontrollierten Open Access Repository, in einer Zeitschrift, mit oder ohne Verlag – das ist eine Entscheidung, die fundiert getroffen werden möchte.

Kommerzielle Publikationsorte – wie Verlage und diverse Zeitschriften – werden Gebühren für eine Open Access-Publikation verlangen (müssen): Material, das frei verfügbar ist, bleibt nur über diese Art der Finanzierung wirtschaftlich. In der Regel wird die kostenlose Verfügbarkeit der Verkäuflichkeit im Wege stehen. In seltenen Fällen verhält es sich jedoch genau andersherum: Die Publikation im Open Access beflügelt den Verkauf der gedruckten Bücher.

Um eine fundierte Entscheidung treffen zu können, ist es wichtig, die unterschiedlichen Optionen und die jeweiligen Implikationen – vom Einfluss auf die eigenen Reputation bis hin zu rechtlichen Konsequenzen – zu kennen.

7. „Open Access – das geht doch ohne Urheberrecht, oder?“

In Deutschland ist das Urheberrecht unveräußerlich. Jedes Werk, das ein Autor, eine Autorin verfasst hat, ist urheberrechtlich geschützt. Erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors, der Autorin wird ein Werk gemeinfrei: Niemand muss mehr gefragt werden, wenn das Werk vervielfältigt und vertrieben werden soll.

Häufig werden die Lizenzen der Creative Commons bemüht, um Nutzungsrechte an Werken im Open Access zu regeln.

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One comment on “Open Access – verbreitete Fehleinschätzungen
  1. Pingback: Budrich-Open: Open Access@Wissenschaft - Der Budrich-Blog

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