Qualitätskontrolle und Programmplanung

Facebooktwittergoogle_plusmail

Qualitätskontrolle – gibt es die überhaupt noch im wissenschaftlichen Fachverlag? Oder veröffentlichen Verlage „alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist“?

Lektorate, Gutachten und Gatekeeper

QualitätskontrolleDas Fachlektorat sei tot, bemängelte mir gegenüber jüngst ein junger Wissenschaftler, um hinzuzusetzen: „Und die Verlage veröffentlichen alles ohne jede Qualitätskontrolle.“ „Ich habe,“ berichtete ein anderer, „in einem großen Verlagshaus angerufen und den Titel meiner Dissertation genannt – und habe sofort eine Veröffentlichungszusage bekommen!“ Ist das gängige Praxis in allen wissenschaftlichen Fachverlagen? Ist das die Art von Programmpolitik, wie sie in renommierten Häusern praktiziert wird?

Programmpolitik und Qualitätskontrolle

In den Verlagen Barbara Budrich und Budrich UniPress wird Programmpolitik groß geschrieben. Natürlich weiß ich, dass gerade auch bei einigen unserer direkten Kollegen leichtfertig ein früher einmal gutes Programm nicht mit Sorgfalt weitergeführt wird. Autorinnen und Autoren bemängeln mir gegenüber nurmehr seit Jahren, dass manche Verlage irritierende Strategien verfolgen: Unveränderte Nachdrucke werden als Neuauflagen ausgegeben, ein Sammelband bekommt das Label „Handbuch“ und eine Monografie wird als „Lehrbuch“ bezeichnet – fertig ist das „hochwertige“ Programm…

Doch nicht nur das ist für unsere Häuser undenkbar. Auch die Praxis, Manuskripte ungeprüft zu publizieren, wahllos alles zu veröffentlichen, was angeboten wird, läuft völlig konträr zu dem, was im Verlag Barbara Budrich und bei Budrich UniPress praktiziert wird. Nur etwa 30% der angebotenen Manuskripte werden auch publiziert – aus über 500 bis 600 relevanten Manuskripteingängen pro Jahr – hier sind Romane und andere Projekte, die so gar nicht zu unserem Profil passen, schon ausgenommen – werden etwa 180 Buchprojekte. Insgesamt etwa 200 Buchprojekte pro Jahr werden in unseren Häusern publiziert, denn es kommen noch Publikationen aus Reihen hinzu, die zumeist mit Peer Reviews arbeiten, sowie vom Lektorat konzipierte, von uns selbst angestoßene Publikationen.

Qualitätskontrolle durch „eigene Erfindungen“

Selbst Bücher zu „erfinden“, um dann Autorinnen und Autoren für die Realisierung zu gewinnen, ist das Schönste an der Lektoratsarbeit. Das Ganze ist ein synergetischer Prozess: Das Projekt gewinnt durch den Input beider Seiten. Wenn ein solches Buch erscheint, dann ist das auch für mich mit jahrzehntelanger Erfahrung nach wie vor ein Highlight!

Wir lassen nicht jedes Manuskript einen Peer Review-Prozess durchlaufen. Viele Manuskripte prüfen wir im Fachlektorat. Unsere Autorinnen und Autoren können zumindest mit einem Kurzgutachten als Rückmeldung aus dem Lektorat rechnen. In diesen Kurzgutachten kommentiert das Lektorat den Text und spricht Empfehlungen mit Blick auf Überarbeitungen aus. Insbesondere geht es uns neben Grundsätzlichem wie Stil, Interpunktion und Orthografie um Lesefreundlichkeit – für uns ist Lesbarkeit eine Voraussetzung für die gelingende Kommunikation, auch innerhalb der Wissenschaft.

Qualitätskontrolle: Peer Reviews und Fachlektorat

Unsere Lektorinnen und Lektoren sind nicht in jedem Fachbereich in jeder Facette die Experten. Deshalb bitten wir durchaus auch Peers um Rat bzw. bitten um Peer Reviews.

Bei Lehrbüchern ist das Vorgehen noch einmal anders: Hier wird eine Lektorin oder ein Lektor beauftragt, das ganze Manuskript von vorn bis hinten intensiv durchzuarbeiten, die Didaktisierung zu überprüfen und gegebenenfalls Glossare, Register, Definitionen oder Schaubilder gemeinsam mit dem Autor, der Autorin zu erarbeiten und weiteres Material für ein ergänzendes Online-Angebot zu erstellen. Lehrbücher müssen für Studierende leicht zu erschließen sein. Sicherlich sind höhere Semester auf einem anderen Wissensniveau, dennoch müssen die einzelnen Schritte nachvollziehbar auf einander aufbauen. Textbrüche und fehlende Erläuterungen können FachlektorInnen auch dann nachvollziehen, wenn sie keine ExpertInnen für das jeweilige Teilgebiet sind.

Das Fachlektorat ist tot, es lebe das Fachlektorat!

So mag das Fachlektorat tot sein, der Lektor à la Spitzwegs „armen Dichter“, der in der undichten Dachkammer vor sich hinlektoriert, ist ein Wesen aus längst vergangenen Jahrzehnten – unser junger Wissenschaftler ist vermutlich keinem persönlich begegnet. Dafür lebt aber die Arbeit des Fachlektorats weiter, setzt auf eine gewisse Selbstkontrollmöglichkeit innerhalb der Wissenschaft mittels Peer-Review-Optionen und arbeitet mit guter Fach- und Sachkenntnis, um qualitätsvolle Programmarbeit zu leisten – in den Budrich-Verlagen wie auch bei vielen unserer KollegInnen.

Qualitätskontrolle

Kompaktworkshop Lektoratspraxis

„Ich möchte selbst im Lektorat arbeiten“

Haben Sie Interesse daran, selbst als Lektor oder Lektorin zu arbeiten? Bei budrich training bieten wir regelmäßig Veranstaltungen aus der Praxis für die Praxis der Lektoratsarbeit an.

 

,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*